Kanada

Die Glengary Bison-Farm verwertet die edlen Tiere von nose-to-tail

Die Glengary Bison-Farm 70 Kilometer nördlich von Calgary (Alberta) verwertet die edlen Tiere sprichwörtlich von der Schnauze bis zum Schwanz. Was nicht für die Küche verkauft werden kann, wird zu Tierfutter verarbeitet. Und das alles zu stolzen Preisen im eigenen Hofladen. Leder und Fell sind ein willkommener Zusatzverdienst.

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70 Kilometer nördlich von Calgary (Alberta) liegt die Gemeinde Airdrie mit der Glengary Bison-Farm, die Cynthia Austin und Gary Sweetnam 1995 gegründet hatten. Gestartet sind sie mit neun Kälbern, die je 3000 kanadische Dollar kosteten. Nach zehn Jahren war ihre Herde auf über 200 Tiere gewachsen, heute hat sich die Herdengrösse auf rund 100 Tiere stabilisiert. Ein Kalb würde heute übrigens 8000 Dollar kosten.
Das Umland von Calgary ist ideal für die Bisons, denen die -40 Grad im Winter und +40 Grad im Sommer in der Provinz Alberta nichts ausmachen. Ihr dicker Pelz schützt die Bisons gegen jedes Wetter und sogar die heftigsten Winter-Stürme.
Der Sommer 2018 war der Alptraum für die Farmer in der Provinz Alberta. Dürre und Waldbrände. Die Preise für einen 750 kg-Rund-Ballen stiegen innert wenigen Wochen von 35 auf 180 Dollar.

Mitten in der Bison-Herde

Am Morgen unserer Besichtigung regnet es zum ersten Mal seit Wochen – und das gleich richtig. Als uns Gary mit seinem GMC auf dem Anhänger auf die Weide transportiert, schüttet es wie aus Kübeln und ein kalter Nordwester pfeift uns um die Ohren.
Wir müssen aus Sicherheitsgründen auf dem Anhänger bleiben. Cynthia hat sich aber über die Jahre das Vertrauen der Bisonherde erworben und kann mitten in der Herde stehen und sogar ein Bison-Kalb streicheln, ohne dass dessen Mutter auch nur den Kopf hebt.

Die Bisons werden nose-to-tail verarbeitet

Wenn die Bisons schlachtreif sind, hat Gary die undankbare Aufgabe, die Wildtiere auf einen Hänger zu treiben. Dann werden sie 100 Kilometer weit zum Schlachthof gefahren, wo sie unter Aufsicht des Veterinärs mit einem Kalbiber 22 mit Kopfschuss getötet werden.
Die Bisons werden nose-to-tail verarbeitet: Das Hängegewicht (Totgewicht) von 300 kg kann für 4.50 Dollar pro Pfund verkauft werden. Das «grüne« Fleisch wird für 80 Dollar pro Pfund (454 Gramm) verkauft.
Bison-Fleisch ist sehr schmackhaft und hochwertig. Es enthält weniger Fett und mehr Eiweiss als praktisch jede andere Fleisch-Art.
Die Knochen, Sehnen, mindere Fleischstücke, Nieren und Kutteln werden zu Hundefutter verarbeitet. Gary produziert daraus mit Knochenmehl «Würste«, aus denen er daumendicke Patties schneidet, die 22 kanadische Dollar für zehn Patties kosten (2,5 kg).
Ein zusätzliches Einkommen erzielen die Bison-Farmer mit dem Leder und dem Fell der Tiere. Das Fell eines ausgewachsenen Bisons wiegt 60 Pfund und kann für 2000 Dollar verlauft werden. Aus dem Leder werden hochwertige Ledermöbel produziert.

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Jürg Vollmer

Chefredaktor von «die grüne», dem Fachmagazin für die Schweizer Landwirtschaft | Journalist im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Ökologie und Gesellschaft